Umgang mit stressigen Menschen – klar bleiben im Kopf
- S P Knoll

- 29. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Apr.
2025 hatte ich sie. Mehrere. Begegnungen mit Menschen, die man wohl „schwierig“ nennt.
Situationen, die emotional fordern, Energie ziehen und das Gedankenkarussell ordentlich in Schwung bringen. Irgendwann wurde mir dabei wieder sehr klar: All das, was ich gelernt hatte, – wollte nicht nur verstanden, sondern konsequent gelebt werden, vor allem als hochsensibler Mensch.
Mein tägliches Mantra in dieser Zeit lautete: „Ich bleibe klar im Kopf.“
Nicht, um mich abzuschotten oder hart zu werden – sondern um mich nicht von der negativen Energie anderer Menschen mitreißen zu lassen. Diese klare innere Intention war enorm hilfreich.
Gefühle zulassen – ohne sich darin zu verlieren
Ein entscheidender Punkt war für mich die Gewissheit, dass ich Angst und Panik in mir da sein lassen kann, weil ich weiß:
Sie bleiben nicht.
Ich muss sie nicht wegdrücken. Ich darf sie fühlen – und anschließend die Freude wieder bewusst einladen. Diese Haltung verändert alles. Sie nimmt dem Gefühl seine Macht.
Gerade hier hat mir meine jahrelange Achtsamkeits- und Meditationspraxis ungemein geholfen. Denn wer erst in einer akuten Stresssituation beginnt, sich mit Achtsamkeit zu beschäftigen, merkt schnell: Das ist nicht leicht. Und es kann entmutigend sein.
Doch wenn man diese Praxis über Jahre hinweg kultiviert hat – und verstanden hat, dass es nicht um Perfektion geht –, dann entsteht etwas sehr Wertvolles: innere Stabilität.

Gedankenkarussell stoppen – immer wieder
Achtsamkeit bedeutet nicht, negative Gedanken sofort „löschen“ zu können. Es geht vielmehr darum, zu sagen:
„Ich lasse diesen Gedanken los.“
Und wenn er wiederkommt? Dann lässt man ihn erneut los.
Immer wieder kehrt man zurück in einen Zustand von mehr innerer Ruhe, von weniger Denken. Auch das ist Training – wie Muskelaufbau. Je öfter man übt, desto leichter fällt es.
In diesem Zusammenhang ist auch die Trust-Technik von James French interessant. Ursprünglich aus dem Umgang mit Tieren kommend, ist sie im Kern eine Methode zur Selbstregulation und Gedankenkarussellanhaltung: präsent sein, Vertrauen aufbauen, ruhig bleiben. Letztlich wirkt sie nicht nur im Außen, sondern vor allem für einen selbst.
Emotionale Selbstkontrolle: Der „Graue Fels“
Besonders hilfreich waren für mich auch die Impulse von Rebecca Zung.
Rebecca Zung ist eine amerikanische Rechtsanwältin, Verhandlungsstrategin und Expertin für den Umgang mit hochkonflikthaften Persönlichkeiten, insbesondere mit narzisstischen Verhaltensmustern. Sie arbeitet viel mit Menschen, die sich in belastenden Beziehungen, Trennungen oder beruflichen Konflikten befinden – also genau dort, wo Emotionen schnell eskalieren.
Ein bekanntes Konzept von ihr ist das Prinzip des „Grey Rock“ (Grauer Fels).Damit ist gemeint, dass man in emotional aufgeladenen Situationen nicht emotional reagiert, sondern ruhig, sachlich und neutral bleibt – wie ein grauer Fels.
Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Denn um das zu können, muss man seine eigenen Trigger kennen.
Trigger erkennen – Freiheit gewinnen
Es gibt Menschen, die ein erstaunlich feines Gespür für die Trigger anderer haben – oft sogar ein besseres als die Betroffenen selbst. In der Stressforschung (z. B. bei Kaluza) spricht man hier von Stressverstärkern.
Der entscheidende Schritt ist, genau hinzuschauen:
Woher kommt dieser Trigger?
Was ist sein Ursprung?
Welche alte Erfahrung wird hier aktiviert?
Wenn man das erkennt und bearbeitet, kann sich etwas lösen. Und dann passiert etwas Großartiges: Man wird nicht mehr getriggert.
Man reagiert nicht mehr automatisch – sondern bewusst. Man ist frei! Das ist ein großartiges Gefühl und ich durfte es dieses Jahr erleben!
Die SLAY-Methode: Klar, strategisch, selbstbestimmt
Rebecca Zung hat aus ihrer juristischen und psychologischen Erfahrung die SLAY-Methode entwickelt. SLAY steht für:
S – Strategy: Eine klare, emotionale neutrale Strategie entwickeln
L – Leverage: Die eigenen Stärken und Handlungsspielräume erkennen
A – Anticipation: Vorhersehen, wie das Gegenüber reagieren könnte
Y – You: Bei sich bleiben, souverän und selbstbestimmt handeln
Die SLAY-Methode verbindet innere Klarheit mit äußerer Handlungsfähigkeit. Sie zeigt: Es geht nicht um Kampf, sondern um emotionale Selbstführung.
Fazit: Klarheit ist trainierbar
Im Rückblick denke ich an das Zitat von dem britischen Top-Coach Peter Crone: „Das Leben präsentiert dir Umstände und Personen, um dir zu zeigen, wo du noch nicht frei bist“. Die Begegnung mit stressigen Menschen war für mich kein Fluch des Schicksals – sondern eine Gelegenheit zu weiterem inneren Wachstum. Achtsamkeit, das Erkennen eigener Trigger, emotionale Selbstregulation und strategische Klarheit wirken zusammen wie ein inneres Trainingsprogramm.
Und je öfter man es praktiziert, desto stärker wird diese innere Muskulatur.
Klar im Kopf zu bleiben – selbst in schwierigen Situationen – ist kein Zufall. Es ist eine bewusste Entscheidung. Jeden Tag aufs Neue.



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