Gehirngerechtes Lernen – So lernst du nachhaltig, erfolgreich und mit Freude
- S P Knoll

- 28. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Warum gehirngerechtes Lernen heute wichtiger ist denn je
In einer Welt, die sich ständig verändert, wird lebenslanges Lernen immer wichtiger. Ob in Schule, Studium, Beruf oder persönlicher Weiterentwicklung – die Fähigkeit, neues Wissen aufzunehmen und dauerhaft zu behalten, ist zu einer Schlüsselkompetenz geworden.
Dennoch erleben viele Menschen Lernen als anstrengend, ineffektiv oder frustrierend. Stundenlanges Auswendiglernen führt oft nur zu kurzfristigen Erfolgen, während das Gelernte schon nach kurzer Zeit wieder vergessen wird.
Die moderne Hirn- und Lernforschung zeigt jedoch: Unser Gehirn lernt nicht beliebig. Es gibt bestimmte Bedingungen, unter denen Lernen besonders erfolgreich und nachhaltig gelingt. Genau hier setzt das Konzept des gehirngerechten Lernens an.
Was versteht man unter gehirngerechtem Lernen?
Gehirngerechtes Lernen beschreibt Lernprozesse, die sich an den natürlichen Funktionsweisen des menschlichen Gehirns orientieren. Ziel ist es, Informationen nicht nur kurzfristig zu speichern, sondern sie langfristig zu verstehen, zu verankern und flexibel anwenden zu können.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Lernen besonders effektiv ist, wenn:
• Lernende aktiv beteiligt sind,
• Emotionen angesprochen werden,
• mehrere Sinne genutzt werden,
• regelmäßige Wiederholungen stattfinden,
• Bewegung integriert wird,
• soziale Interaktionen möglich sind und
• eine positive Lernatmosphäre herrscht.
Lernen ist somit kein rein kognitiver Prozess, sondern ein Zusammenspiel von Denken, Fühlen, Handeln und Erleben.
Die Wissenschaft hinter dem gehirngerechten Lernen
Emotionen spielen eine zentrale Rolle
Unser Gehirn verarbeitet Informationen besonders gut, wenn sie mit positiven Emotionen verbunden sind. Begeisterung, Neugier und persönliches Interesse fördern die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin, die die Gedächtnisbildung unterstützen.
Umgekehrt kann anhaltender Stress die Konzentration und die Fähigkeit, neue Informationen dauerhaft zu speichern, beeinträchtigen. Lernen gelingt daher besonders gut in einer Umgebung, die Sicherheit, Wertschätzung und Motivation vermittelt.
Bewegung unterstützt Denkprozesse
Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass körperliche Aktivität positive Auswirkungen auf Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis hat. Auch in meinem Blog über den Vagusnerv habe ich das bereits beschrieben.
Bereits kurze Bewegungseinheiten können die Durchblutung des Gehirns verbessern und die geistige Leistungsfähigkeit steigern. Deshalb profitieren Lernende aller Altersgruppen von regelmäßigen Bewegungspausen.
Praktische Möglichkeiten sind beispielsweise:
• kurze Spaziergänge während Lernpausen,
• Lernen im Gehen,
• Dehn- und Aktivierungsübungen,
• wechselnde Lernorte oder
• bewegungsorientierte Lernmethoden.
Wiederholung ist entscheidend für nachhaltiges Lernen
Das Gehirn benötigt Zeit und Wiederholungen, um neue Informationen dauerhaft zu speichern. Besonders wirksam ist das sogenannte verteilte Lernen: Mehrere kurze Lerneinheiten über einen längeren Zeitraum führen zu deutlich besseren Ergebnissen als intensives Lernen unmittelbar vor einer Prüfung.
Dieses Prinzip wird in der Lernforschung als „Spaced Repetition“ bezeichnet und gilt als eine der effektivsten Lernstrategien überhaupt. Mehr dazu in meinem Blog über Lernmethoden.
Lernen ist ein sozialer Prozess
Menschen lernen häufig besonders erfolgreich im Austausch mit anderen. Diskussionen, gemeinsames Problemlösen oder das Erklären von Inhalten fördern tiefes Verständnis und helfen dabei, Wissen langfristig zu verankern.
Der soziale Austausch ermöglicht zudem unterschiedliche Perspektiven und stärkt die Motivation.
Die wichtigsten Prinzipien gehirngerechten Lernens
Lernen mit mehreren Sinnen
Je mehr Sinneskanäle beim Lernen aktiviert werden, desto stabiler werden neue Informationen gespeichert.
Hilfreich sind unter anderem:
• Bilder und Visualisierungen,
• Skizzen und Mindmaps,
• praktische Übungen,
• Geschichten und Beispiele,
• audiovisuelle Inhalte sowie
• eigene Erfahrungen.
Neues mit vorhandenem Wissen verknüpfen
Unser Gehirn speichert Informationen nicht isoliert, sondern in Netzwerken. Neues Wissen wird daher leichter gelernt, wenn es an bereits bestehende Erfahrungen und Kenntnisse anknüpft.
Fragen wie:
• „Was weiß ich bereits über dieses Thema?“
• „Wo begegnet mir dieses Wissen im Alltag?“
• „Welche Zusammenhänge erkenne ich?“
unterstützen diesen Prozess.

Aktives Lernen statt passiven Konsums
"Lernen ist kein Zuschauersport", sagt Jim Kwik, einer der erfolgreichsten Lerncoaches der Welt. Nachhaltiges Lernen entsteht vor allem durch aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten.
Besonders wirksam sind Methoden wie:
• Zusammenfassen in eigenen Worten,
• Erklären des Gelernten,
• Anwenden in praktischen Situationen,
• Fragen stellen und beantworten sowie
• selbstständiges Problemlösen.
Passives Lesen oder Zuhören allein führt häufig nur zu oberflächlichem Lernen. Beim Sprachenlernen ist das der Übergang von A2 zu B1, der jedoch in der Praxis oft übergangen ist, da es am Anfang extrem mühselig und frustrierend sein kann. Dies ist auch einer der großen Unterschied zwischen Coaching und Unterricht. Im Unterricht wird und kann diese "Zustandsüberwindung" nicht Thema sein. Im Coaching ist es selbstverständlich.
Motivation fördert Lernerfolg
Menschen lernen besonders erfolgreich, wenn sie einen persönlichen Sinn im Lernstoff erkennen und intrinsisch motiviert sind. Deshalb ist ein fester Bestandteil aller meiner Coachings die Zielpyramide nach John Assaraf, um deine Ziele zu erreichen.
Motivation entsteht unter anderem durch:
• persönliche Ziele,
• erlebte Fortschritte,
• Autonomie beim Lernen,
• Interesse am Thema und
• positive Erfolgserlebnisse.
Gehirngerechtes Lernen im Alltag umsetzen
Schon kleine Veränderungen können den Lernerfolg deutlich verbessern:
• Lernen in kurzen, konzentrierten Einheiten statt stundenlangem Pauken
• Regelmäßige Pausen einplanen
• Lerninhalte aktiv wiederholen
• Bewegung in den Lernalltag integrieren
• Wissen mit praktischen Erfahrungen verbinden
• Eigene Lernziele definieren
• Verschiedene Lernmethoden ausprobieren
Entscheidend ist, die eigene Lernweise bewusst zu reflektieren und individuelle Strategien zu entwickeln.
Fazit
Gehirngerechtes Lernen bedeutet nicht, dass Lernen immer leicht oder spielerisch sein muss. Vielmehr geht es darum, Lernbedingungen zu schaffen, die den natürlichen Funktionsweisen unseres Gehirns entsprechen.
Die moderne Hirn- und Lernforschung zeigt eindeutig: Nachhaltiges Lernen gelingt besonders dann, wenn Menschen aktiv, emotional beteiligt und motiviert sind, wenn sie Inhalte regelmäßig wiederholen und wenn Lernen mit Bewegung, Erfahrungen und sozialem Austausch verbunden wird.
Wer diese Prinzipien berücksichtigt, kann Lernprozesse effizienter gestalten und Wissen langfristig erfolgreich nutzen.



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