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Was ich durch narzisstische Vorgesetzte gelernt habe: 3 Erkenntnisse, die mich beruflich und persönlich verändert haben

13. Sept.
5 Min. Lesezeit

Der Umgang mit einem narzisstischen Vorgesetzten kann unglaublich belastend sein. Besonders schwierig wird es, wenn du lange versuchst, die Situation zu verstehen, dich anzupassen und es irgendwie allen recht zu machen.

Ich kenne dieses Gefühl.

Rückblickend bin ich heute sogar dankbar für einige der Erfahrungen, die ich mit schwierigen beziehungsweise narzisstisch geprägten Vorgesetzten gemacht habe. Nicht, weil ich die Situation gutheiße. Und schon gar nicht, weil ich glaube, dass man toxisches Führungsverhalten einfach aushalten sollte.

Sondern weil ich daraus etwas gelernt habe, das mir heute niemand mehr nehmen kann.

Ich habe gelernt, mich selbst besser zu verstehen. Meine Grenzen wahrzunehmen. Und vor allem: dass ein schwieriges Arbeitsumfeld nicht automatisch bedeutet, dass jedes andere Arbeitsumfeld genauso sein muss.

Hier sind die 3 wichtigsten Erkenntnisse, die ich durch narzisstische Vorgesetzte gelernt habe.

1. Ich darf meine innere Haltung nicht an meinen Vorgesetzten verlieren

Eine der größten Gefahren im Umgang mit schwierigen Führungskräften ist, dass ihr Verhalten irgendwann unser eigenes Denken bestimmt.

Wenn du ständig kritisiert, abgewertet, kontrolliert oder unter Druck gesetzt wirst, passiert etwas Unauffälliges:

Du beginnst, selbst immer negativer zu denken.

Über deinen Chef. Über deine Kollegen. Über das Unternehmen. Und irgendwann vielleicht sogar über dich selbst.

Genau hier habe ich verstanden, wie wichtig es ist, unter Druck nicht das eigene Licht zu verlieren.

Ein Satz, der für mich dabei sehr passend ist, wird häufig Wayne Dyer zugeschrieben:

„You do not die from a snake bite but from the venom that runs through your veins.“

Das Bild dahinter finde ich sehr treffend.

Ein Nashorn wird von einer Schlange im Anzug gebissen. Das symbolische Bild steht für die Belastung durch narzisstische oder schwierige Vorgesetzte und dafür, wie wichtig es ist, die eigene innere Stärke und Haltung zu bewahren.
KI generiertes Bild zum Zitat von Wayne Dyer

Der „Biss“ ist das, was dir von außen widerfährt. Das Verhalten des Vorgesetzten. Die Kritik. Die Ungerechtigkeit. Die schwierige Situation.

Das „Gift“ ist das, was davon in dir weiterwirkt.

Und genau da beginnt deine eigene Verantwortung.

Das bedeutet nicht, dass du schuld bist, wenn dich ein schwieriger Vorgesetzter belastet. Und es bedeutet auch nicht, dass du schlechtes Verhalten einfach akzeptieren solltest.

Es bedeutet vielmehr:

Du darfst entscheiden, wie viel Raum das Verhalten eines anderen Menschen in deinem Inneren bekommt.

Das ist auch ein wichtiger Bestandteil meiner persönlichen Rhino-Formel: Unter Druck nicht selbst negativ zu werden und dadurch das eigene Licht zu verlieren.

Denn irgendwann besteht die Gefahr, dass du genau das Verhalten übernimmst, unter dem du eigentlich leidest.

Meine wichtigste Erkenntnis:

Ich kann das Verhalten meines Vorgesetzten nicht immer kontrollieren. Aber ich kann lernen, mich davon innerlich nicht vollständig bestimmen zu lassen.

2. Groll loszulassen bedeutet nicht, Unrecht zu verzeihen

Die zweite wichtige Erkenntnis hängt unmittelbar damit zusammen.

Wenn wir über einen längeren Zeitraum ungerecht behandelt werden, entsteht häufig Groll.

Und Groll kann sich festsetzen.

Du gehst nach Feierabend nach Hause und denkst weiter über das Gespräch nach. Du erzählst deinem Partner davon. Am nächsten Morgen geht es wieder von vorne los.

Der Chef ist vielleicht irgendwann gar nicht mehr da – aber in deinem Kopf ist er ständig präsent.

Das ist ein Punkt, an dem ich viel über Vergebung gelernt habe.

Der Stanford-Professor Dr. Fred Luskin hat sich intensiv mit dem Thema Vergebung beschäftigt. Eine zentrale Erkenntnis seiner Arbeit ist, dass Vergebung nicht bedeutet, Unrecht gutzuheißen oder das Geschehene ungeschehen zu machen.

Vergeben bedeutet nicht: „Es war in Ordnung.“

Es bedeutet vielmehr:

„Ich möchte nicht, dass dieses Ereignis weiterhin mein Leben bestimmt.“

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Du darfst benennen, was dir angetan wurde.

Du darfst wütend sein.

Du darfst Grenzen ziehen.

Du darfst Konsequenzen ziehen.

Und du darfst trotzdem irgendwann entscheiden, den Groll loszulassen.

Nicht für deinen Vorgesetzten.

Für dich.

Denn permanenter Ärger und chronischer Stress können sich auch körperlich bemerkbar machen. Genau deshalb ist es so wichtig, nicht dauerhaft in einer inneren Abwehrhaltung zu leben.

Meine wichtigste Erkenntnis:

Loslassen bedeutet nicht, das Verhalten eines anderen Menschen zu entschuldigen. Es bedeutet, mir selbst meine Energie zurückzugeben.

3. Ich habe gelernt: „Es ist überall das Gleiche“ stimmt nicht

Vielleicht war das die wichtigste Erkenntnis von allen.

Wenn du lange in einem schwierigen Arbeitsumfeld arbeitest, entsteht irgendwann ein gefährlicher Gedanke:

„Es ist doch überall das Gleiche.“

Überall gibt es schwierige Chefs.

Überall gibt es Politik.

Überall gibt es Mitarbeiter, die nerven.

Überall gibt es Stress.

Warum sollte ich also wechseln?

Ich kenne diesen Gedanken.

Und heute weiß ich: Er kann einen davon abhalten, überhaupt nach einer Alternative zu suchen.

Denn natürlich gibt es in jedem Unternehmen Herausforderungen. Kein Arbeitsplatz ist perfekt.

Aber nicht jedes Arbeitsumfeld fühlt sich gleich an.

Ich habe das selbst erlebt.

Nachdem ich ein toxisches Arbeitsumfeld beziehungsweise eine schwierige Teamleitung verlassen hatte, kam ich in ein Team, in dem ich eine völlig andere Form von Wertschätzung und Unterstützung erlebt habe.

Kolleginnen und Kollegen unterstützten mich.

Meine Arbeit wurde anerkannt.

Und auch von der Standortleitung erlebte ich Wertschätzung.

Der Unterschied war so groß, dass ich mir teilweise jeden Tag selbst gratuliert habe, dass ich den Schritt gemacht hatte.

Und gleichzeitig war der Abschied von meinem alten Unternehmen emotional. Ich konnte die Geschäftsleitung sogar sehr gut leiden und habe an meinem letzten Tag geweint.

Auch das gehört zur Wahrheit:

Ein Arbeitsumfeld kann belastend sein, obwohl du einzelne Menschen dort sehr schätzt.

Du musst nicht alles schlecht finden, um zu erkennen, dass eine bestimmte Führungssituation nicht mehr zu dir passt.

Und irgendwann habe ich verstanden, warum der Satz so oft verwendet wird:

„Mitarbeiter verlassen ihre Vorgesetzten und nicht das Unternehmen.“

Meine wichtigste Erkenntnis:

Nur weil du bisher schlechte Erfahrungen gemacht hast, bedeutet das nicht, dass es überall genauso sein wird.

Was ich heute anders mache

Wenn ich heute mit einem schwierigen oder narzisstisch geprägten Vorgesetzten zu tun habe, würde ich drei Dinge anders machen als früher.

Erstens: Ich achte darauf, meine eigene Haltung zu schützen.

Ich möchte nicht, dass die Negativität eines anderen Menschen zu meiner eigenen wird.

Zweitens: Ich spreche Dinge an.

Das ist gerade für Menschen, die Schwierigkeiten damit haben, Autoritätspersonen zu kritisieren, eine wichtige Lernaufgabe.

Ich habe gelernt: Respekt bedeutet nicht, alles hinzunehmen.

Man kann respektvoll und gleichzeitig sehr klar sein.

Drittens: Ich hinterfrage den Gedanken „Es ist überall das Gleiche“.

Denn manchmal ist nicht deine Persönlichkeit das Problem.

Nicht deine Sensibilität.

Nicht deine Leistungsfähigkeit.

Nicht deine Fähigkeit, mit Menschen zusammenzuarbeiten.

Manchmal bist du einfach im falschen Umfeld.

Und dann kann ein Wechsel unglaublich viel verändern.

Was ich durch schwierige Vorgesetzte gelernt habe

Heute würde ich deshalb nicht sagen, dass ich dankbar für toxische Führung bin.

Aber ich bin sehr dankbar für das, was ich daraus gelernt habe.

Ich habe gelernt, meine Grenzen ernster zu nehmen.

Ich habe gelernt, dass ich meine innere Haltung schützen muss.

Ich habe gelernt, Groll loszulassen, ohne Unrecht schönzureden.

Ich habe gelernt, dass Kritik an einer Führungskraft nicht automatisch respektlos ist.

Und ich habe gelernt, dass ein schwieriges Arbeitsumfeld nicht die Definition meiner beruflichen Realität sein muss.

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Fragen, die du dir stellen kannst, wenn du gerade unter einem schwierigen oder narzisstisch geprägten Vorgesetzten leidest:

„Was kann ich aus dieser Situation lernen – und was möchte ich nicht länger mit mir machen lassen?“

Denn manchmal liegt die wichtigste Veränderung nicht darin, einen schwierigen Menschen zu verändern.

Sondern darin, selbst zu erkennen, was man künftig anders machen möchte.

 

 

 

 

 
 
 

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